Kanupolo: Europameisterschaft in Saint-Omer (FRA)

Montag, 28. August 2017 - 8:41

Während die U21-Spieler ihr gutes Abschneiden am Samstag Abend feiern gingen, konzentrierten sich die restlichen Spieler auf die grossen Aufgaben vom Sonntag. An diesem Morgen standen dann die Entscheidungsspiele auf dem Programm. Die Damen traten gegen die Lokalmatadorinnen an. Die Französinnen spielten konzentriert und mit der Unterstützung der zahlreich angereisten Fans unwiderstehlich. 0:3 stand es am Schluss aus Sicht der Schweizerinnen. Der kleine Final war Tatsache.

Auf die Herren wartete Deutschland als Gegner im Semifinale. Man kennt sich gut, einerseits von vielen Turnieren während der Saison, andererseits weil die meisten der Schweizer in der deutschen Bundesliga spielen. Entsprechend wussten die Gegner um die Stärken unserer Herren und konnten sie gezielt ausschalten. 3:0 gewannen die Deutschen die Partie und schickten die Schweiz in den kleinen Final.

Beide Schweizer Elite-Teams hatten also noch die Chance auf eine Medaille. Nach einem 4. Platz an der EM vor zwei Jahren waren die Schweizerinnen entschlossen, sich die Chance heute nicht entgehen zu lassen. Gegner waren die Britinnen, die sich aufgrund des Vorrundenresultates ihres Sieges schon sicher schienen. Ihnen waren aber die Strapazen der vergangenen Tage anzumerken. Unsere Damen konnten hingegen sämtliche letzten Kraftreserven mobilisieren und zeigten sich unschlagbar überlegen. Ein einziges Tor musste Grossbritannien zugestanden werden. Zwei Tore von Nina Luginbühl und je eines von Lisa Wenzel und Franziska Bartelt machten den Sieg der Schweizer Damen, den 3. Platz und somit den ersten Medaillengewinn einer Schweizer Kanupolomannschaft an einer Europameisterschaft perfekt! Die Freude bei unseren Damen war entsprechend riesig. Gross die Erlösung insbesondere für Captain Franziska Bartelt, die mit dieser Auszeichnung für ihren enormen Einsatz um die Entwicklung und den Aufbau des Schweizer Damen-Kanupolo belohnt wird.

Die Schweizer Herren verfolgten die letzten Minuten und den Triumph ihrer Damen vom Spielfeldrand aus in voller Montur. Sie traten gleich anschliessend zu ihrem Abschluss-Spiel gegen Italien an. Im Angesicht dieses immens wichtigen Spiels und mit dem Wissen um die hohe Niederlage gegen denselben Gegner am Tag zuvor gingen die Eidgenossen hoch konzentriert ans Werk. Beide Teams schenkten sich nichts, um jeden Zentimeter wurde hart gekämpft. Nach einem umstrittenen Foul bekamen die Italiener einen Penalty zugesprochen. Der Schuss von Luca Bellini traf zwar nur das Aluminium, aber im Nachschuss konnten die Südländer das Skore um einen Zähler erhöhen. Ein Weitschuss von Bene Lagler kurz vor der Halbzeitsirene egalisierte den Spielstand wieder.

In der zweiten Halbzeit ging die Partie also wieder von vorne los. Gute Verteidigungsarbeit auf beiden Seiten führte zu wenigen Chancen, bis die Schweizer einen zentralen Schuss der Azurri passieren lassen mussten. Da sie es in der Folge nicht mehr schafften zu punkten, ging das Spiel zu Ungunsten der Helvetier aus. Die Medaille war zwar verpasst, unsere Herren konnten sich aber mit dem Wissen um eine starke Leistung und die Egalisierung ihres bisher besten Resultats in Mailand 2010 trösten.

Auf diese hervorragenden Leistungen können die Athleten, Trainer und Betreuer sowie die ganze Kanu-Schweiz Stolz sein. Die Teams haben gezeigt, dass die Schweiz im Kanupolo bei den ganz Grossen vorne dabei ist und dies trotz ihrer vergleichsweise sehr kleinen Basis an Spielerinnen und Spielern. Europameister bei den Herren wurden die Spanier vor den favorisierten Deutschen, bei den Damen siegte erwartungsgemäss Deutschland knapp mit 2:1 gegen Frankreich. Nun treten die Athleten die Heimreise an und beschäftigen sich bereits wieder mit den Schweizermeisterschaften, die in drei Wochen in der Zürcher Badi Letzigraben stattfinden werden.

Text: Marius Ammann