Kanu-Regatta: Widmer und Müller erreichen die B-Finals

Montag, 30. Juli 2018 - 16:24

Die Vorzeichen standen gut: Mit einer neuen Trainingsbestzeit, einer ansteigenden Formkurve und gestärktem Selbstvertrauen reiste Franzsika Widmer an die U23-Weltmeisterschaft ins bulgarische Plowdiw – ihren Saisonhöhepunkt. Bereits über die nichtolympischen 1000 Meter erlitt die derzeit stärkste Schweizer Kanutin aber einen ersten Dämpfer. Im Halbfinale blieb sie ohne Chance auf einen Vorstoss ins A-Finale der besten Neun. Fast sechs Sekunden fehlten dazu. «Ich war wütend auf mich selber, weil ich wusste, dass ich es besser kann», sagte die Paddlerin vom KC Rapperswil-Jona danach. Und lieferte auch gleich den Beweis: Mit der Wut im Bauch gewann sie das B-Finale und erreichte wie vor Jahresfrist Rang zehn. Der Wechsel auf ihre Paradedistanz 500 Meter gelang dann aber nicht wirklich. Das Halbfinale bedeutet für die Spitzensport-Soldatin das Aus. Drei Sekunden fehlten ihr für das B-Finale, dem Minimalziel. Wo sie diese Sekunden verlor, sei für Widmer unklar, denn grobe Fehler seien ihr keine unterlaufen und die erzielte Zeit sei in Ordnung. «Es ist mir ein Rätsel, wie ich es letztes Jahr auf Rang 14 schaffte», sagt sie konsterniert. Trotzdem gibt sie sich auch kämpferisch: «Die letzten zwei Jahre habe ich alles dem Sport untergeordnet, um Fortschritte zu erzielen. Wegen diesem Dämpfer werfe ich die Flinte nicht gleich ins Korn, sondern versuche mich weiter zu verbessern.» Ähnlich, aber unter anderen Vorzeichen, sieht die Gefühlslage bei Ronja Bühler aus. Die 19-Jährige Romanshornerin paddelte erstmals an einer U23-WM mit und startete über die 200-Meter-Distanz. Für sie war der Vorlauf gleichbedeutend mit dem Ausscheiden. «Ich wusste von Anfang an, dass es schwer wird, in diesem Feld zu bestehen. Meine Freude am Kanufahren und der Wille zu hartem Training ist aber auch so ungebrochen», sagt die angehende Kauffrau.

Bei den weiblichen Junioren war Hannah Müller die einzige Schweizer Vertreterin. Sie konnte an den Resultaten von der Junioren-EM nicht ganz anknüpfen. Ihr reichte es vor drei Wochen noch zu Ergebnissen in den ersten 16. In der zweitgrössten Stadt Bulgariens kam die Nidwaldnerin aber nicht mehr über die Halbfinals hinaus. Über die olympischen 500 Meter fehlten der Gymnasiastin 5,5 und über 1000 Meter fast sieben Sekunden zu einem Einzug in ein B-Finale. Besser lief es dem männlichen Junior Tim Müller. Sein stärkstes Rennen gelang ihm im Halbfinale über 1000 Meter. Mit Rang vier zog er wie schon an der EM ins B-Finale ein. Dieses fand zwei Stunden später statt. Mit dem neunten und somit 18. Platz zeigt er sich nicht ganz zufrieden: «Das Rennen lief gut, ein paar Plätze weiter vorne wäre aber schon mein Ziel gewesen.» Über 500 Meter fehlte dem sich in Ausbildung befindenden Vermessungstechniker nur wenig, um mit einer zweiten B-Final-Qualifikation nachzudoppeln. Im C-Finale resultierte dann Gesamtrang 25 für ihn heraus. Müller lebt und trainiert in Deutschland und will auch in den nächsten Jahren für die Schweiz starten – dann in der U23-Kategorie. Dort wird er ab nächstes Jahr auf Maurus Pfalzgraf (KCSH) und Linus Bolzern (KCLU) treffen. Die beiden 19-jährigen Maturanden starteten in Plowdiw gemeinsam im Kajak-Zweier. Mit dem Einzug ins Semifinale erfüllten das junge Duo die Erwartungen. Dort steigerten sie sich gegenüber dem Vorlauf; für ein Weiterkommen fehlten aber fast vier Sekunden. Diese Sekunden aufzuholen, dürfte für beide das erstrebenswerte Ziel für den nächsten Trainingwinter sein. In der Vorbereitung dazu finden sie in Magglingen beste Bedingungen vor. «Die Spitzensport-RS ist eine riesige Möglichkeit und grosse Motivation für uns beide», sagt Pfalzgraf über die Aufnahme in die Sportförderung der Schweizer Armee, die noch vor der WM Tatsache wurde. Davor steht für Linus aber noch ein weiterer internationaler Wettkampf an. Er reist von Plowdiw weiter nach Mazedonien, wo er an der U23-EM der Wildwasserabfahrer sein Können beweisen will.

Resultate
Damen Junioren (olympisch)
Kajak-Einer 500m
1. Eszter Rendessy (HUN) 1:49.735
2. Ina Sauchuk (BLR) 1:51.375
3. Emma Russel (GBR) 1:51.814
Ferner: Im Halbfinale ausgeschieden, Hannah Müller
Kajak-Einer 1000m
1. Maria Rei (POR) 4:15.603
2. Olga Bako (HUN) 4:16.903
3. Alina Neumiarzhytskaya (BLR) 4:17.146
Ferner: Im Halbfinale ausgeschieden, Hannah Müller

Damen U-23
Kajak-Einer 200m (olympisch)
1. Anna Lucz (HUN) 39.466
2. Kristina Kovnir (RUS) 39.992
3. Mengdie Yin (CHN) 40.009
Ferner: Im Vorlauf ausgeschieden, Ronja Bühler
Kajak-Einer 500m (olympisch)
1. Tamara Takacs (HUN) 1:48.228
2. Aimee Fisher (NZL) 1:49.080
3. Alina Svita (BLR) 1:49.456
Ferner: Im Halbfinale ausgeschieden, Franziska Widmer
Kajak-Einer 1000m
1. Jule Marie Hake (GER) 4:17.793
2. Tamara Takacs (HUN) 4:19.232
3. Maria Virik (NOR) 4:20.179
Ferner: 10. (1. Im B-Finale) Franziska Widmer 4:09.432

Herren Junioren
Kajak-Einer 500m
1. Benedek Tibor Kos (HUN) 1:35.920
2. Rasmus Knudsen (DEN) 1:36.440
3. Bojan Zedlar (SRB) 1:38.159
Ferner: 25. (7. Im C-Finale) Tim Müller 1:45.839

Kajak-Einer 1000m (olympisch)
1. Benedek Tibor Kos (HUN) 3:56.901
2. Martin Hiller (GER) 3:58.593
3. Anton Novak (BLR) 4:00.383
Ferner: 18. (9. Im B-Finale) Tim Müller 3:48.806

Herren U-23
Kajak-Zweier 1000m (olympisch)
1. Joel McKitterik / Tom Green (AUS) 3:17.472
2. Samo Balaz / Tibor Linka (SVK) 3:19.871
3. Jakob Kurschat / Benedikt Bachmann (GER) 3:20.999
Ferner: Im Halbfinale ausgeschieden, Maurus Pfalzgraf / Linus Bolzern

Text: Fabio Wyss
Bild: Ronja Bühler