Regatta: Weltcup 1 Szeged (HUN)

Dienstag, 22. Mai 2018 - 7:51

«Ein Schritt in die richtige Richtung»

Der Weltcup im ungarischen Szeged war für die Athleten nicht nur eine Standortbestimmung. Da nächstes Jahr die Weltmeisterschaften an gleicher Stätte stattfinden, bot der Weltcup den Kanuten auch eine Möglichkeit, sich mit der Strecke anzufreunden. Aus Schweizer Sicht gelang das ordentlich. Die Schweizer Einerfahrer überstanden allesamt ihre Vorläufe. Einen Wehrmutstropfen gab es für den Damenzweier über 500m mit Livia Haudenschild und Franziska Widmer. Sie schieden ohne Chance auf eine Halbfinalqualifikation aus, fanden sich dabei aber in bester Gesellschaft. Boote aus traditionell starken Nationen wie Deutschland, Grossbritannien oder Dänemark erlitten das gleiche Schicksal.
Fortan hiess es für beide: Konzentration auf die Konkurrenz im Einer. Haudenschild konnte über 1000m zeigen, dass ihre Formkurve nach dem Saisoneinstand in Essen (GER) wieder nach oben zeigt. Sie erreichte einen guten 13. Rang über diese bei den Damen nicht olympische Distanz. Widmer fokussierte sich auf die 500m und schied trotz persönlicher Bestzeit im Semifinale aus. Gegenüber dem letzten Jahr bedeutet das einen klaren Fortschritt, damals hiess es im Vorlauf bereits Endstation. Nun hätte sie mit Losglück sogar ins C-Finale vorstossen können. Deswegen meinte die 21-Jährige nach dem Rennen: «Ich komme der Spitze näher. Das war ein Schritt in die richtige Richtung.»
Einen solchen Schritt wollte auch Andri Summermatter machen. Einem starken Vorlauf folgte ein noch besserer Semifinal. Er liess sich nur von Fernando Pimenta, René Holten Poulsen und Tom Liebscher schlagen – Paddler, die sich allesamt Weltmeister nennen dürfen. Somit konnte er wie bereits letztes Jahr in Szeged das B-Finale erreichen. Dieses Jahr war er aber nicht auf Losglück angewiesen, sondern bewies mit einer persönlichen Bestzeit von 3:33.751 sein Können. Keine zwei Stunden danach wurde ebendieses B-Finale ausgetragen, bei dem Summermatter nicht an seine Halbfinal-Leistung anknüpfen konnte. «Ich fühlte mich zwar noch fit, aber irgendwie hatte ich Mühe, einen guten Rhythmus zu finden.» Trotzdem paddelte er mit Rang 17 sein bestes Ergebnis über eine olympische Distanz heraus. Erstmals im Schweizer Team war Patrik Szale. Er ist in Altdorf geboren und danach mit seinen ungarischen Eltern in deren Heimatland zurückgekehrt. Er schied im Einerkajak über 500m und 1000m jeweils in den Semifinals aus.
Zum Abschluss des Wettkampfes boten die Organisatoren den Zuschauern ein Spektakel. Beim Langstreckenrennen über 5000m gab es erstmals auch zwei Laufstrecken – sogenannte Portagen – zu absolvieren. Bei diesen rannten die Paddler während des 5000m-Rennens mit Boot und Paddel ca. 100 Meter vor der Zuschauertribüne vorbei. Diese Premiere sorgte für Zusammenstösse, Kenterungen und Spektakel. Eine Kenterung musste nach gutem Start auch Franziska Widmer in Kauf nehmen. Die 24-jährige Livia Haudenschild machte dies besser und erreichte mit Rang sechs ihre beste Rangierung über 5000m. Für einen weiteren Top-10-Platz sorgte Andri Summermatter. Er profitierte von den Heckwellen anderer Paddler und hielt sich bei den Portagen aus den Rangeleien heraus. Am Ende resultierte Rang neun. Vierzig Sekunden dahinter folgte Patrik Szalé auf Rang zwölf.
Weiter geht es nächstes Wochenende mit Weltcup Nummer zwei im deutschen Duisburg. Dort startet nur das Schweizer Herren-Team. Neben Summermatter gehört dort auch Fabio Wyss dazu. Er startet nach einer Sehnenentzündung im Ellenbogen in die Saison. In einer neuen Formation gehen sie neben diversen Einsätzen im Einer auch im Kajak-Zweier über 1000m an den Start.

Resultate:
Damen
500m Kajak-Einer (olympische Disziplin)
1. Caitlin Ryan (NZL) 1:46.576
2. Dora Bodonyi (HUN) 1:47.748
3. Hermien Peters (BEL) 1:49.059
Ferner die Schweizer: Im Halbfinal ausgeschieden Franzsika Widmer

500m Kajak-Zweier (olympische Disziplin)
1. Lisa Carrington / Kayla Imrie (NZL) 1:39.018
2. Ana Roxana Lehaci / Viktoria Schwarz (AUT) 1:39.980
3. Teresa Portela / Joana Vasconcelos (POR) 1:40.785
Ferner die Schweizer: Im Vorlauf ausgeschieden Livia Haudenschild / Franziska Widmer

1000m Kajak-Einer
1. Anna Kàràsz (HUN) 3:56.180
2. Tamara Takacs (HUN) 3:57.214
3. Tabea Medert (GER) 3:59.908
Ferner die Schweizer: 4. Im B-Finale (Gesamt 13.) Livia Haudenschild 4:17.246

5000m Kajak-Einer
1. Vanda Kiszli (HUN) 22:13.380
2. Lizzie Broughton (GBR) 22:14.958
3. Anna Koziskova (CZE) 22:39.247
Ferner die Schweizer: 6. Livia Haudenschild 23:31.964, Disqualifiziert Franziska Widmer

Herren
500m Kajak-Einer
1. Roi Rodriguez (ESP) 1:35.149
2. Fernando Pimenta (POR) 1:35.266
3. Zsombor Jozsef Noé (HUN) 1:36.505
Ferner die Schweizer: 8. Im C-Finale (Gesamt 26.) Andri Summermatter 1:41.781

1000m Kajak-Einer (olympische Disziplin)
1. Fernando Pimenta (POR) 3:24.359
2. Bàlint Kopasz (HUN) 3:25.647
3. Roi Rodriguez (ESP) 3:26.259
Ferner die Schweizer: 8. Im B-Finale (Gesamt 17.) Andri Summermatter 3:36.692, im Halbfinale ausgeschieden Patrik Szale

5000m Kajak-Einer
1. Fernando Pimenta (POR) 19:19.805
2. Adriàn Boros (HUN) 19:48.833
3. Quentin Urban (FRA) 19:57.611
Ferner die Schweizer: 9. Andri Summermatter 20:44.744, 12. Patrik Szalé 21:27.394

Text: Fabio Wyss
Bild: Swiss Canoe Team