WM Muota: Der ICF-Präsident im Muotatal

Mittwoch, 27. Juni 2018 - 7:22

Boater-Cross: «Ein Ausrufezeichen unserer Sportart» Aktuell gibt es zwei olympische Kanu-Disziplinen – Slalom und Flachwasser-Sprint. Eine aufkommende dritte Disziplin zieht momentan das Interesse der Öffentlichkeit auf sich: der Boater-Cross. Das attraktive Massenstartrennen zeigt auf, wie sich der Sport in Zukunft präsentieren könnte. Anlässlich der Weltmeisterschaften im Wildwasserrennsport in Muotathal spricht Jose Perurena, der Präsident des Internationalen Kanuverbandes über die Entwicklung des Boater-Cross: Er sehe diese Entwicklung als innovativen Schritt und ein Ausrufezeichen unserer Sportart. Für ihn bedeutet es aber weit mehr: «Wenn wir schauen, was junge Leute machen in anderen Sportarten, kommen wir nicht an Massenstart und Kopf-an-Kopf-Rennen vorbei. Es passiert mehr und ist spektakulär. Der Spanier bezieht sich auf Ski Alpin; die Skicross-Wettkämpfe gehören neu zum olympischen Rennprogramm dazu – und das mit grossem Erfolg. Er sehe ähnliches Potential im Wildwasser-Kanu.

Die Anziehungskraft vergrössern: der Schlüssel für den Kanusport

Beim Boater-Cross stürzen vier Kanuten gleichzeitig von einer künstlichen Startrampe ins Wasser. Auf dem Fluss navigieren sie ihre robusten Boote vorbei an Steinen und Walzen Hindernisse. Es wird vermieden, durch Kollisionen mit der Konkurrenz Zeit zu verlieren. Eine telegene, adrenalingeladene Sportart, bei der Paddel durch die Luft wirbeln und Boote sich gegenseitig oder mit natürlichen Hindernissen touchieren. «Die Herausforderung für den Kanusport – wie auch bei anderen Sportarten – ist, für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben», sagt Perurena. Der Wildwasserrennsport und Slalom seien toll für die Leute, die die Sportart kennen. Für junge Leute sei die Anziehungskraft eines Boater-Cross aber grösser. «Der Schlüssel, dass sich unsere Sportart verbreitet, ist, genau diese Anziehungskraft zu vergrössern.» Perurena lobt die Organisatoren der Wildwasser-WM in Muotathal. Sie würden beweisen, wie eine ländliche Region von einem Weltklasse-Event profitieren kann. «Es gibt diesen Druck, immer in die Städte zu gehen mit Grossanlässen. Im Kanu-Wildwasser ist das nicht immer möglich. Dass es auch mit einem kleinen Budget und einer kleinen Armee von motivierten Freiwilligen geht, zeigen die heurigen Organisatoren. Es sind wunderbare Wettkampftage», fügt der ICF-Präsident an.

Seit 1973 ist es die erste Kanu-WM in der Schweiz. Xaver Schuler Schwyzer Gemeindepräsident meint sie seien erfreut, im Kanton Schwyz einen solchen Anlass austragen zu können. Der OK-Präsident der WM sagt: «Wir haben ein engagiertes Organisationskomittee, dass über ein Jahr hart gearbeitet hat. Muotathal und die anliegenden Gemeinden sind nun stolz, 45 Jahre nach der letzten WM, wieder einen erfolgreichen Anlass auf die Beine gestellt zu haben.» «Was will man mehr?»

Über 300 Wettkämpfer aus 23 Nationen haben an den Wildwasserabfahrt-Kanu-Weltmeisterschaften 2018 teilgenommen. Zum OK gehörte auch Heinz Wyss. Er war 1973 noch als Athlet und Bronze-Medaillengewinner am Start. Im Rückblick sagt der Präsident des Kanuclubs Nidwalden: «Auf die Kanu-WM 2018 freuten sich viele Einheimische seit Jahren. Es sind grossartige Tage für die Schweizer Kanuszene gewesen.” Sonniges Wetter, einwandfreie Wettkämpfe und Weltklasse-Leistungen trügen das ihrige dazu bei, meint Wyss und fragt rhetorisch: «Was will man mehr?»

Text & Bild: Guy Dresser