WM Muota: Eine emotionale Achterbahnfahrt unterschiedlichster Gefühle

Mittwoch, 27. Juni 2018 - 7:27

Der Sempacher Fabio Gretener paddelte an der Heim-WM in Muotathal auf Rang sieben. Im Interview gewährt der 26-jährige Kanute Einblick in seine Gefühlswelt während des Wettkampfes und erklärt, wieso er zur Muota einen speziellen Bezug hat.

Sempach liegt rund 50 Kilometer vom Muotatal entfernt. Nun fand dort letzte Woche seit 45 Jahren wieder eine Kanu-Weltmeisterschaft statt. Was macht es für Dich als Athleten anders als an einer WM im Ausland?

Zu der Muota habe ich einen persönlichen Bezug; ich kenne den Fluss seit Jahren. Zudem ist es für Freunde und Bekannte viel einfacher, den Wettkampf zu besuchen. Für mich ist das ein super Gefühl, diesen Rückhalt zu spüren. Nicht nur von ihnen, auch von Coaches und Supportern.

Wird der Druck dadurch nicht grösser?

(zögert) Es war sicher mehr Druck da. Ich glaube aber, dass sich dieser positiv auf meine Leistungen auswirkte.

Du hast einen siebten Platz im Sprint und damit eine persönliche Bestleistung erreicht. Offensichtlich half dieser Druck. Was ging Dir durch den Kopf als Du im Ziel realisiert hast, dass alles aufging?

Stolz. Erleichterung. Ich bin einfach zufrieden. Gerade auch weil letztes Jahr beim Weltcup auf der gleichen Strecke nicht alles optimal lief. Es ist einfach genial, dass ich es zu Hause auf den Punkt gebracht habe.

Es ist ein Kreis, der sich schliesst, da Dein Vater bereits an der WM 1973 als Helfer im Einsatz stand. Später hat er bis zu seinem Ableben zahlreiche Kanu-Weltcups in Muotathal organisiert. Waren Gedanken wie diese präsent?

Es gehört zu diesem persönlichen Bezug, den ich zur Muota habe. Ich hatte auch dadurch spezielle Freude an dieser WM teilnehmen zu können. Vor dem Start blitzte der Gedanke kurz auf. Aber sonst trat dies eher in den Hintergrund.

In welche Gefühlswelt taucht man an einem Wettkampftag sonst noch ein?

Das ist etwas vom Spannendsten im Leistungssport. Gerade der Sonntag war vom frühen Morgen bis abends spät eine emotionale Achterbahnfahrt unterschiedlichster Gefühle. Die Nervosität spielt dabei eine grosse Rolle – gerade, wenn man vor dem Start ins Boot steigt.

Ist diese Nervosität nicht auch ein Hindernis?

Ja schon. Es ist enorm wichtig, dass ich auch wieder etwas herunterfahren kann. Ich glaube man kann auch zu stark seinen Körper aktivieren und es passieren Unkonzentriertheiten. Das ist, was mir an diesen Renntagen im Muotatal sehr gut gelang. Sobald das Startsignal ertönte, wurde alles eins: der Fluss, das Boot und ich.

…der bekannte Tunnelmodus?

Ich beschreibe es eher als ein Flow-Moment. Ich denke nicht mehr viel, weiss gerade nicht, was um mich herum passiert. Plötzlich hört man zwischendurch das Publikum schreien; in der nächsten Sekunde ist man wieder zu 100-Prozent auf die einstudierte Optimallinie fokussiert und gibt Vollgas. Wenn man ins Ziel kommt, auf die Uhr schaut und realisiert, dass man eine super Fahrt hinlegte, fällt diese ganze Nervosität von einem ab. Die pure Erleichterung. Seit Jahrzehnten hat kein Schweizer Kanute in dieser Disziplin solche Resultate erzielen können.

Gibt es überhaupt Steigerungspotential?

Auf jeden Fall. Auch in Bezug auf das Rennen von gestern, obwohl die Fahrt optimal gelang. Mit mehr Training und breiterer Unterstützung kann ich noch mehr herausholen. In den letzten beiden Jahren ging meine Leistungskurve stetig nach oben. Ich glaube das Maximum ist noch nicht erreicht und ich will diese Kurve noch weiter nach oben treiben.

Das Interview führte Fabio Wyss.

Bild: Neil Smorthit