WM Muota: Leise Enttäuschung und toller Schlusspunkt im Sprint

Lundi, 4. Juin 2018 - 18:39

Qualifikationsläufe Sprint

Dass die Schweizer Medaillenserie in Muotathal am dritten Tag der WM ein jähes Ende finden würde, war bereits im Vorhinein klar. Der heutige Samstag stand nämlich ganz im Zeichen der Qualifikation für das grosse Finale von morgen. Auf der attraktiven Sprintstrecke überzeugte vor allem die bisher erfolgreichste Athletin des Schweizer Teams: Melanie Mathys. Sie benötigte jedoch etwas Anlaufzeit. Im ersten Lauf passierten ihr zwei Fahrfehler und so musste sie ihr Finalticket im zweiten Lauf lösen. Dies gelang dank einer fehlerfreien Fahrt ohne Probleme. Die Kajakfahrerin hat dadurch morgen die Möglichkeit, nach zwei Mal Bronze ihre dritte Medaille der diesjährigen Heim-WM zu gewinnen. Es ist das klar formulierte Ziel: „Im Finale will man immer eine Medaille gewinnen. Dafür muss ich jede Schwierigkeit haargenau meistern“, sagt Melanie Mathys, die bereits vor fünf Jahren über diese Distanz Silber und vor zwei Jahren Bronze an Weltmeisterschaften gewonnen hat. Sie ist die einzige Schweizer Dame im Finale. Undankbare 13. wurde die 18-jährige Hannah Müller. Sie ist somit die erste Nichtqualifizierte für das Kajak-Finale – und ist dementsprechend enttäuscht: „Natürlich war das Finale das Ziel. Dass es nun genau wegen einem Rang nicht gelang, nervt. Am schlimmsten ist, dass ich morgen zuschauen muss, wenn andere um Medaillen paddeln.“ Ähnlich undankbar war auch das Resultat von Sabine Eichenberger. Sie startete in der Kanadier-Kategorie. Kurz vor dem Ziel musste sie eine Kenterung in Kauf nehmen. Eine Eskimorolle verhinderte Schlimmeres, trotzdem verlor sie viel Zeit und die Qualifikation für das Finale. In der männlichen Kanadier-Kategorie gelang dafür dem Sempacher Fabio Gretener der Einzug ins Finale. Als Elfter – 37 Hundertstel Vorsprung auf den unliebsamen Rang 13 – vertritt er im Finale am Sonntag die Schweizer Herren im Kampf um Gold, Silber und Bronze. Ebenfalls morgen finden die Team-Wettbewerbe über die Sprintdistanz statt. Sie bilden den Abschluss der Weltmeisterschaften auf der Muota.

Finalläufe Sprint Einzel

Melanie Mathys musste ihre Medaillenträume nach ca. 30 Sekunden Fahrzeit bereits begraben. Bei der Schlüsselstelle der Sprintstrecke - dem Mutoastein - musste sie nach einem Fehler einen Umweg fahren und verlor wertvolle Sekunden im Kampf um die Medaillen. Am Ende reichte es der Wirtschaftsstudentin zu Rang sechs. Die Sprintdistanz ist die favorisierte Strecke des Schweizer Aushängeschilds. Dementsprechend enttäuscht zeigte sich die zweimalige Bronze-Medaillengewinnerin der diesjährigen Weltmeisterschaften. Sie zog sich nach dem Wettkampf zurück und favorisierte sich auf die Team-Wettkämpfe.

Ein perfektes Rennen gelang dagegen dem Sempacher Fabio Gretener. Der 26-jährige Sportstudent blieb in der technisch anspruchsvollen Kanadier-Disziplin ohne Fehler und stiess auf den siebten Rang vor. "Vor heimischem Publikum eine Fahrt wie aus einem Guss herunterzubringen, ist ein einmaliges Gefühl." Fabio Gretener stand letztes Jahr erstmals in einem WM-Final. Aufgrund von Fahrfehlern musste er sich damals mit Rang elf begnügen. Die Revanche für dieses Rennen ist dem Athleten getragen von den Anfeuerungsrufen der über 1000 Zuschauer eindrücklich gelungen.

Finalläufe Sprint Team

Als erstes Schweizer Team griffen die Damen am Sonntagnachmittag ins Geschehen ein. Melanie Mathys, Hannah Müller und Flavia Zimmermann hatten sich im schwierigsten Rennen der Weltmeisterschaft eine Medaille zum Ziel gesetzt. Die erste Streckenhälfte absolvierten die drei Schweizerinnen dann auch perfekt. Das taktische Überholmanöver am Start gelang einwandfrei und die drei Damen konnten in geschlossener Formation den Muotastein passieren. Kurz vor dem Ende der schwierigen Wellen-Walzen-Kombination nach dem Muotastein passierte dann das Malheur. Flavia Zimmermann erwischte eine Welle zu viel und wurde von der grossen Spielwalze gebremst. Obwohl die drei Schweizerinnen auf dem folgenden Flachstück bis zum Ziel alles aus sich herausholten, landeten sie am Ende auf dem undankbaren vierten Rang.

Dass die Teamrennen auf der WM-Sprintstrecke eine anspruchsvolle Sache sind erfuhren auch die Kanadier-Herren. Das Team um Fabio Gretener, Benjamin Müller und Jonah Müller verzeichnete am Muotastein einen Fahrfehler. Fabio Gretener touchierte kurz das Heck des vor ihm fahrenden Jonah Müller und schob ihn so von der Ideallinie. Der 16-jährige rettete die Situation aber gut und so endete das Rennen für das junge Schweizer Team auf dem 6. Rang.

Eine kleine Sensation gelang den Herren. Im Gegensatz zum klassischen Rennen, wo Robin Häfeli den Sprung in das Team geschafft hatte, startete im Sprint Cornel Bretscher mit Linus Bolzern und Nico Meier. Besonders Linus Bolzern und Nico Meier hatten nach der verpassten Finalqualifikation vom Vortag noch eine Rechnung mit der Strecke offen. Gemeinsam gelang es ihnen, den erst 16-jährigen Cornel Bretscher zur Höchstleistung zu pushen. Mit einer nahezu Fehlerfreien Fahrt setzten sie sich im Ziel an die mit knapp zwei Sekunden Vorsprung auf die Spanier an die Spitze und warteten gebannt auf die nach ihnen gestarteten Teams. Spätestens als es nicht einmal die traditionell schnellen Tschechen schafften, die Schweizer Zeit zu unterbieten wussten auch die 1000 Zuschauer, dass sie gerade ein extrem gutes Rennen der Schweizer gesehen hatten. Am Ende reichte es für den fünften Rang, das beste Ergebnis, dass einer Schweizer Herrenmannschaft im Sprint an Weltmeisterschaften je gelang.

WM-Bilanz

Am Ende des Tages zog das Trainerteam eine positive Bilanz von der Heim-Weltmeisterschaft. Die Schweiz war mit einem grossen, aber jungen Team angetreten und darf mit den zwei gewonnenen Medaillen zufrieden sein. Einen Wehrmutstropfen bildet die verpasste Medaille in den Sprintwettkämpfen, das gute Resultat des Herrenteams und die ansprechenden Einzelresultate der jüngeren Athletinnen und Athleten zeigen aber, dass mit der Schweiz in Zukunft auch in dieser Disziplin gerechnet werden darf.

Das Team bedankt sich bei den Organisatoren, allen Helfern, den Fans, dem Wettergott und besonders der Muotataler Bevölkerung für eine rundum gelungene Heim-WM, die lange in Erinnerung bleiben wird.

Text: F.Wyss/A.Kuttenberger

Bild: Neil Smorthit