Die internationale Kanusaison 2023 ist zu Ende, und es gab viele Gründe für Schweizer Kanufans zu feiern. Erfahre mehr zu den hervorragenden Resultate und spannenden Hintergrundinformationen

11. Oktober 2023

Mit Paris 2024 finden in weniger als einem Jahr olympische Spiele direkt vor unserer Haustür statt. Die Spiele an sich haben für die olympischen Sparten Kanuslalom und Kanuregatta einen grossen Stellenwert, für unsere beiden nicht-olympischen Sparten, Kanupolo und Wildwasserrennsport, markieren sie jeweils einen Meilenstein bezüglich der zukünftigen Finanzierung durch den Bund und Swiss Olympic. Zeit also die Situation den Bereich Leistungssport bei Swiss Canoe etwas genauer zu beleuchten.
 

Wechsel auf den Headcoach-Positionen mitten im Olympiazyklus
Mit Joe Kunz, Headcoach Kanuregatta, und Christian Bahmann, Headcoach Kanuslalom, verliessen Ende 2022 gleich beide Cheftrainer der olympischen Sparten Swiss Canoe auf eigenen Wunsch. Sie kamen beide nach den Spielen in Rio 2016 zu Swiss Canoe und hatten einen grossen Anteil am Aufbau der heutigen Erfolge in den beiden Sparten. Mit Matthias Krähenbühl, vorher Nachwuchsnationaltrainer Regatta und Pierre Labarelle, vorher U23-Nationaltrainer Slalom, konnten wir zu unserem Glück zwei sehr kompetente und engagierte Trainer aus den eigenen Reihen für die Nachfolge gewinnen. Den schon in dieser Saison mussten die Grundlagen für erfolgreiche Quotenplatzgewinne erarbeitet werden. Mäthe und Pierre knüpften nahtlos an die solide Arbeit ihrer Vorgänger an und setzen diese mit grossem Engagement fort. Ihre Handschrift ist in verschiedenen Bereichen zu sehen und die positive Entwicklung der Leistungen im Slalom, Cross und der Regatta konnte noch weiter vorangetrieben werden.
 

European Games - Kontinentale olympische Spiele
An den durch das European Olympic Committee ausgerichteten European Games waren 2023 das erste Mal Kanuregatta und Kanuslalom im Programm. Swiss Canoe war mit acht Athlet:innen und 5 Funktionären Teil der Swiss Olympic Delegation. Der Multisportanlass gilt als Hauptprobe für olympische Spiele, da ähnliche Protokolle was Akkreditierung, Sicherheit, Medien, Werbung und Trainingsbedingungen vorherrschen. Mit der Silbermedaille von Martin Dougoud im K1 Slalom und etlichen Top 20-Plätzen im Slalom und Regatta konnte sich Swiss Canoe gebührend in Szene setzen.
 

Wildwasserrennsport
In der Sparte Wildwasserrennsport konnte Swiss Canoe zahlreiche Erfolge auf Weltcup-Ebene verzeichnen. Das Team gewann insgesamt 7 Medaillen bei verschiedenen Weltcuprennen und erreichte mit Linus Bolzern sogar den ersten Sieg eines Schweizers. Dank ihrer konstant starken Leistungen sicherten sich Hannah Müller und Mona Clavadetscher den Gesamtweltcup im C2. Ausserdem beendete Hannah Müller im K1 den Gesamtweltcup auf dem 4. Rang und Linus Bolzern auf dem 5. Rang.

Auch im Nachwuchsbereich gab es dieses Jahr viel Erfreuliches zu vermelden. Bei der Junioren- und U23-Weltmeisterschaft in Roudnice sicherte sich Mona Clavadetscher den Weltmeistertitel über die klassische Distanz bei den Juniorinnen und den Weltmeistertitel im C2 zusammen mit Hannah Müller bei den U23 Damen über die Sprintdistanz. Weiter gewannen Mona und Hannah im C2 eine Silbermedaille über die klassische Distanz, und das U23-Damenteam mit Monah Clavadetscher, Glenys Ettlin und Hannah Müller sowie das Herren-U23-Team mit Robin Häfeli, Luis Clavadetscher und Cornel Bretscher konnten im Teamwettkampf ebenfalls jeweils den zweiten Rang belegen. Besonders erfreulich sind diese Ergebnisse auch im Hinblick auf die Nachwuchs-Europameisterschaft im Wildwasserrennsport, die nächstes Jahr in der Schweiz stattfinden wird.
 

Kanupolo
Swiss Canoe konnte an der diesjährigen EM in Brandenburg Dank dem grossen ehrenamtlichen Einsatz das erste Mal überhaupt mit 4 Teams antreten. Neben den etablierten Nationalteams der Damen und Herren in der Elitekategorie, und dem bereits in der Vergangenheit erfolgreichen U21 Herren Nationalteam, konnte Swiss Canoe dieses Jahr durch die hervorragende Nachwuchsarbeit in diesem Beriech auch ein Nationalteam in der Kategorie U21 Frauen stellen. Die U21-Auswahl der Frauen beendete das Turnier den 10. Rang, die U21-Herren erreichte den 8. Rang, das Herren Nationalteam den 9. Rang und Frauen Nationalteam den 7. Rang.
 

Regatta
In den letzten Jahren machten vor allem die jungen Athlet:innen mit guten Resultaten auf sich aufmerksam. Dieses Jahr konnte mit Franziska Widmer eine arrivierte und erfahrene Athletin wieder an ihre früheren Leistungen in der U23-Kategorie anschliessen und sich auf europäischer und globaler Bühne auf Elitestufe in Szene setzen: an den European Games erreichte sie den 16. Rang im K1 über 500m und an der WM den 21. Rang über die gleiche Distanz. Bei den Junioren konnte Luca Lauper als Vizeweltmeister und Vizeeuropameister im K1 über 1000m Schweizer Kanugeschichte schreiben. Er rundete seine Saison mit zwei weiteren Medaillen über die nicht olympische Distanz 500m ab und sass im Junioren K4, der den 4. Rang an der JEM und den 5. Rang an der JWM erpaddeln konnte. Zusammen mit den guten Resultaten in verschiedenen Bootsklassen in der U23 kann das Projekt «K4 Los Angeles 2028» mit reellen Chancen gestartet werden. Im Oktober werden Silvan Diethelm, Raphael Muff und Donat Donhauser als Regatta-Trio zusammen mit Noé Anderegg aus dem Kanuslalom in die Spitzensport Rekrutenschule einrücken. So viele Swiss Canoe Athlet:innen waren noch nie gleichzeitig in der prestigeträchtigen RS.
In dieser Saison konnten für die Regatta eine Partnerschaft mit der renommierten Schulthess Klinik in Zürich für die Leistungsdiagnostik und eine mit der Physiotherapie Greter AG in Rapperswil-Jona vereinbart werden.
 

Slalom
Nach einer äussersten erfolgreichen Weltcupsaison und Europameisterschaft 2022 zeigte das Swiss Canoe Team auch 2023 mit mehreren Medaillen auf Stufe Weltcup, EM und WM seine aktuelle Stärke. Martin Dougoud startete mit einem 2. Rang am Weltcup in Augsburg in die Saison und kurz darauf doppelten Dimitri Marx und Jan Rohrer mit einem Doppelsieg im Kayak Cross am Weltcup in Prag nach. Den Weltcup im spanischen La Seu d’Urgell gewann dann Jan Rohrer und Dimitri Marx wurde 4. Mit diesen Leistungen und der EM-Medaille von Martin im Gepäck reiste das Team Mitte September an die WM in London, wo der Grossteil der olympischen Quoten zu vergeben waren. Alena Marx sicherte sich mit einer soliden Leistung und Rang 16 im K1 diese Quote und wird aufgrund ihrer Leistungen im C1, von Swiss Olympic wohl auch die Starterlaubnis in dieser Bootsklasse erhalten. Martin Dougoud schrammte um 2 Hundertstel am Podest im K1 vorbei, sicherte sich aber mit dem 4. Rang souverän ebenfalls eine Quote. Seinen Traum einer WM-Medaille erfüllte er sich Tags darauf im Cross. Seine Bronzemedaille sei nur dank dem ganzen Team und der kollegialen Konkurrenz möglich gewesen, meinte er kurz nachdem er aus dem Boot gestiegen war und bedankte sich damit bei den Trainer:innen und seinen Teamkollegen.
In der ersten Oktoberwoche finden auf der Anlage von Paris die Weltcupfinale statt. Die Schweiz ist mit 4 Booten in den Top 20 des Weltcuprankings im Cross vertreten: 2. Jan Rohrer, 3. Dimitri Marx, 8. Martin Dougoud, 20. Manuel Munsch.
Die Olympiaquoten im Cross werden erst im Juni 2024 vergeben, Swiss Canoe rechnet sich grosse Chancen aus, nochmals ein Boot für Paris qualifizieren zu können.
Auch der Nachwuchs und die U23-Athlet:innen zeigen seit Jahren solide Leistungen, so dürfen wir uns nicht nur auf Paris 2024 sondern schon auch ein wenig auf Los Angeles 2028 freuen.
 

Kayak Cross
Die Schweiz ist bekannt dafür bei neuen Sportarten in den ersten Jahren mit der Weltspitze mitzuhalten und dann im Verlaufe der Zeit etwas nach hinten gereicht zu werden. Dies will Swiss Canoe bei der neuen olympischen Sportart Kayak Cross nicht erleben. Um auch längerfristig Spitzenresultate zu erzielen, haben wir schon jetzt Massnahmen eingeleitet. Zusammen mit der Rennbahnklinik und Swiss Olympic wird ein sportwissenschaftliches Projekt umgesetzt, welches uns Erkenntnisse zum nötigen Training und der Trainingssteuerung liefern wird.
Auf unterer Stufe möchten wir per nächstem Jahr den Wettkampforganisatoren eine mobile Startrampe, Cross-Tore und Cross-Boote auf einem Anhänger für Wettkämpfe in der Schweiz anbieten können. Da ein Satz Tore aktuell gegen 10'000 CHF kostet, entwickeln wir in Zusammenarbeit mit einem Schweizer SUP-Hersteller neue, günstigere Cross Tore.
 

Gesamtsituation Leistungssport
Der Leistungssport wird grossmehrheitlich durch unsere Partner Swiss Olympic und Bundesamt für Sport finanziert. Rund 900'000 CHF jährlich kommen auf diesem Wege unserem Verband zugute. Die Athlet:innen tragen darüber hinaus Selbstbehalte von 440'000 CHF, Swiss Canoe selbst investiert rund 20% der Mitgliederbeiträge in den Leistungssport.
Wir sind also für die Finanzierung sehr stark von der öffentlichen Hand und unserem Dachverband abhängig. Die Höhe der Beiträge dieser beiden Institutionen hängt von der Qualität unserer Arbeit und den erzielten Erfolgen ab. Ein Jahr vor den Spielen, liegen wir hier auf Kurs: Kanupolo, Wildwasserrennsport und Regatta sollten auch für den Zyklus Los Angeles 2028 in der Einstufung 4 situiert sein. Mit Slalom streben wir einen Aufstieg von Stufe 3 in Stufe 2 an, was mit einer massiven Budgeterhöhung honoriert würde. Hier fehlt uns aktuell noch ein 16er-Rang an den Spielen in Paris. Das sollte möglich sein! Im Kopf haben unsere Athlet:innen aber sicher ein besseres Resultat.
 

Text: Ralph Rüdisüli Laurent, Sportlicher Direktor

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